Forschung

Diese Webseite ist entstanden aus einem Forschungsprojekt von

In diesem Rahmen wurden im Februar und November 2017 zwei Workshops durchgeführt.

Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie in eine ähnliche Richtung arbeiten, auf der Suche nach einem Projektpartner oder einem Thema für eine Abschlussarbeit sind, es gibt noch einige offene Forschungsfragen.

Sie können unsere Arbeit finanziell mit einer Spende an den gemeinnützigen Förderverein Wachstumswende unterstützen (Stichwort „Marktwirtschaft reparieren“).

Forschungsergebnisse

Wir liefern im Beitrag „How imperative are the Joneses? Economic Growth between Individual Desire and Social Coercion“ (VÖÖ Discussion Paper 4) eine sehr ausführlich begründete Definition des Begriffes „Wachstumszwang“, der bislang nur auf der Makroebene oder ansonsten eher umgangssprachlich definiert ist. Ausgehend von dieser Definition untersuchen wir dann verschiedene in der Literatur aufgestellte Hypothesen, dass Nachfrager (Konsumenten) oder Anbieter (Produzenten) aufgrund sozio-kultureller Mechanismen einem Wachstumszwang unterliegen würden (Stichwort „Wachstumsparadigma in den Köpfen“). Wir zeigen, dass diese Hypothesen nicht tragfähig sind: Entweder verweisen sie letztlich auf ökonomischen Druck (wozu auch Wettbewerbsvorteile durch sogenannte Innovationen gehören), oder sie erfüllen nicht unsere Anforderungen an einen Wachstumszwang.

Im Artikel „Effizienzkonsum: Produktivitätssteigerung als Beschreibungsrahmen bestimmter Konsum-Entscheidungen“ (VÖÖ Discussion Paper 3) diskutiert Andreas Siemoneit die These, dass Unternehmen und Konsumenten beide zahlreiche Güter kaufen, die sie effizienter machen. Dies erzeugt positive Rückkopplungen, die man als Wachstumszwang interpretieren kann. Für Unternehmen wird Effizienzsteigerung seit langem als Investitionsmotiv akzeptiert, aber weder Mikroökonomik noch Konsumsoziologie diskutieren sie auch nur als Konsummotiv.

Das Papier „Consistency and Stability Analysis of Models of a Monetary Growth Imperative“ (Ecological Economics 136, p. 114–25) ist die Analyse zweier Argumentationslinien, dass im Geldsystem an sich ein systemischer Wachstumszwang begründet liege: Verdächtigt werden zum einen zinstragendes Kreditgeld, zum anderen das Horten von Gewinnen durch die Geschäftsbanken. Beide Argumentationslinien sind aus unserer Sicht unplausibel und daher zurückzuweisen. Es gibt im Geldsystem keinen systemischen Wachstumszwang.

Der Artikel „Fear of stagnation? A review on growth imperatives“ (VÖÖ Discussion Paper 6) baut auf den beiden anderen auf und rundet unsere Analyse ab: Wir gehen durch die „klassischen“ und neuen Theorien, warum die Ökonomie einem Wachstumszwang unterliege: Geld, Wettbewerb und Gewinnorientierung, Technischer Fortschritt, staatliche Wachstumspolitik und sozio-kulturelle Mechanismen (wobei wir bei Geld und sozio-kulturellen Mechanismen auf unsere anderen Artikel verweisen). Unser Ergebnis ist eindeutig: Nur der sogenannte Technische Fortschritt, der recht einseitig menschliche Arbeit durch maschinellen Ressourcenverbrauch ersetzt, hat das Potential, eine auf Marktwirtschaft basierende Gesellschaft „in den Wahnsinn zu treiben“. Eine vordergründig treibende Kraft ist eine staatliche Wachstumspolitik, die jedoch vor allem auf die durch Prozessinnovationen verursachte „technologische Arbeitslosigkeit“ reagiert, welche durch neue Produktinnovationen nicht verlässlich kompensiert wird. Akkumulation, Ungleichheit und Kreditgeld (Finanzierung ohne vorhergehendes Sparen) verstärken das Problem durch verschiedene Effekte. Es ist also nicht so, dass nur ein Mechanismus „verantwortlich“ ist, aber wir betrachten Technischen Fortschritt (bzw. den entsprechenden Ressourcenverbrauch) durchaus als obersten Punkt in einer „Hierarchie der Ursachen“. Ein Ausweg aus dem Dilemma könnten institutionelle Verbrauchsbegrenzungen (Cap & Trade) und die Begrenzung von Akkumulation sein. Die Überwindung von Marktwirtschaft ist dafür nicht erforderlich.

Der deutschsprachige Übersichtsartikel „Wachstumszwänge: Ressourcenverbrauch und Akkumulation als Wettbewerbsverzerrungen“ im Sammelband „Postwachstumspolitiken“ (Hrsg. Adler/Schachtschneider) fasst unsere Ergebnisse relativ knapp, aber allgemeinverständlich zusammen. Nach einer Präsentation der Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe diskutieren wir zwei Politikvorschläge etwas detaillierter: Institutionelle Verbrauchsbegrenzungen (Cap & Trade) und die Begrenzung von Akkumulation. Weiter institutionelle Ansätze zur Bekämpfung leistungsloser Einkommen finden sich im Kapitel „Wider den Wachstumszwang: Die Begrenzung unverdienter Einkommen als Weg zu einer nachhaltigen Ökonomie“ im Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie.

Im Februar 2019 wird ein allgemeinverständliches deutschsprachiges Buch erscheinen.

  • qualitative Sozialforschung: empirische Überprüfung der These: Einkommen ist der entscheidende Faktor beim Wachstumszwang, im Gegensatz zu „Kultur“, vgl. VÖÖ Discussion Paper 4, Abschnitte 3–5.
  • Konsumsoziologie / Mikroökonomik: empirische Überprüfung der These des Effizienzkonsums, vgl. VÖÖ Discussion Paper 3.
  • Makroökonomik: empirische Unterfütterung des Energy-Growth-Nexus und der Auswirkungen von Ressourcennutzung auf Verteilung: Capital Skill Complementarity, Skill Premium.
  • Makroökonomik: Wachstumstheorie mit Humankapital und Energie / Ressourcen vgl. VÖÖ Discussion Paper 6, Abschnitt 3.3.
  • Monetäre Makroökonomik: Trägt Vollgeld zu einer stabileren Ökonomie bei? Vgl. geld-und-nachhaltigkeit.de, sowie Ecol.Econ. 136.
  • Sozialpolitik / Ökonomik: Gibt es weitere leistungslose Einkommen, die bekämpft werden sollten?
  • Sozialpolitik / Ökonomik: Wie wachstumsabhängig sind soziale Sicherungssysteme, insbesondere das Gesundheitswesen und Rente mit Blick auf Demographie, vgl. VÖÖ Discussion Paper 6, Abschnitt 3.4.
  • Politikwissenschaft: welche Handlungsmöglichen sehen Politiker für sich, welche auch explizit nicht? Was müsste passieren, dass sich da tatsächlich was bewegt? Vgl. politische Ansätze im Sammelband Postwachstumspolitiken, Abschnitt 4–5.
  • Soziologie: Wie positionieren sich Menschen zu folgenden Themen:
    • Unaufhaltsamkeit des technischen (nicht sozialen!) Fortschritts
    • Unvermeidlichkeit und Notwendigkeit von Konzernen
    • Widerstand gegen Vermögensbesteuerung/-begrenzung, „verdienter Reichtum“
    • Tabuthema Bevölkerungspolitik